Kultur Lokal vom 15.04.2017

Böblingen: Trio mit Horn, Violine und Klavier beim Musikfrühling von „Pro Arte“ in der Aula am Murkenbach

Herrliches Beziehungsdreieck

  • Herrliches Beziehungsdreieck

Man müsste sie eigentlich unter Artenschutz stellen, so selten ist diese Besetzung. Aber warum nur? Die Frage stellte sich nach dem Konzert des „Trio Opus 40“ mit Horn, Violine und Klavier beim Musikfrühling in der Aula am Böblinger Murkenbach drängender als zuvor.

Am Ende kann die Antwort nur lauten: Weil es alle großen Komponisten aus Klassik und Romantik versäumt haben, für diese Kombination von Saite, Taste und Blechblasmundstück zu komponieren. Musikalisch jedenfalls gibt es dafür keine Gründe. Das lässt sich so leicht behaupten, weil einer der Großen den Riecher hatte, um Witterung für das Potenzial dieser Besetzung aufzunehmen und tatsächlich ein Trio für Violine, Horn und Klavier geschrieben hat.

Es ist Johannes Brahms mit seinem opus 40, von dem sich das Trio mit Michael Kuhn am Flügel, Evgeny Popov an der Violine und Hornist Reimer Kühn ihren Ensemblenamen entlehnt haben. Hornist Kühn, Solohornist des Stuttgarter Staatshorchesters, erklärt zudem, dieses Stück sei nicht irgendeines, sondern eines der liebsten von Brahms selbst gewesen.

Nahezu einzigartig für Brahms dürfte jedenfalls sein, dass die Besetzung mit einiger Sicherheit auch Symbolcharakter hat: Brahms hatte als Kind Horn gelernt. Seiner Mutter soll gut gefallen haben, was der Sohnemann auf dem Instrument bewerkstelligte. Als Brahms das Stück im Mai 1865 ausbrütete, war wenige Monate zuvor im Februar seine Mutter gestorben. Der langsame Adagio-Satz ist unbestritten ein Trauerstück und Erinnerung an die Mutter. Möglicherweise ist aber die völlig vorbildlose Besetzungswahl überhaupt von diesem Kindheits-Mutter-Tod-Kontext inspiriert.

Wie auch immer, es lässt sich nicht leicht ein Stück finden, das mit dem tiefschwarzen Trauer-Adagio einerseits und dem anschließenden, jovialen Jagd-Finalsatz andererseits solche Stimmungsextreme


Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden