Lokales vom 12.08.2017

Die Öschelbronner Kälblesschlecker

  • Die Öschelbronner Kälblesschlecker

Während man andernorts schon viel von „Kälbleskitzeler“ gehört hat, die den Rindernachwuchs möglichst schnell mit spitzem Messer ins Jenseits befördern wollten, um sich dann als „Kälblesfresser“ hervortun zu können, pflegten die Öschelbronner offensichtlich einen weitaus sanfteren Umgang mit ihren Kälbern. Um dies besser zu verstehen, sollten wir einen kurzen Blick in die Öschelbronner Geschichte werfen.

Als Öschelbronn noch ausschließlich ländlich-bäuerlich geprägt war, stand neben dem außerordentlich gedeihlichen Obstbau, der an Qualität sogar das benachbarte Bondorf übertroffen hat, vor allem die Rindviehhaltung im Mittelpunkt des agrarischen Interesses. Sie bildete auch den Haupternährungszweig der Einwohner. Um den erreichten Standard zu erhalten, sorgten ständig drei Simmenthaler Bastardfarren für eine Auffrischung des ortsüblichen Kuhviehs vom sogenannten „Neckarschlag“. Aus dieser Kreuzung entstand eine kräftige, gelbrote, rote und rotscheckige Rasse, die übrigens im ganzen Oberamt verbreitet war.

Mit dem Öschelbronner Rindvieh, insbesondere mit Mastochsen, war auf allen benachbarten Märkten ein gutes Geschäft zu machen. Bis in die Residenzstadt des damaligen Königreichs Württemberg, Stuttgart, aber auch ins Großherzogtum Baden hinein unterhielten die Gäubewohner einen regen Handel. Auch mit dem Verkauf von Butter konnte man in Zeiten ohne gemeinsamen Markt und damit auch ohne Butterberg noch erkleckliche Beträge hinzuverdienen.

So kam es, dass in Öschelbronn damals viele wohlhabende Bauern lebten und nur eine Minderzahl von Bewohnern als „unbemittelt“ gelten konnte. Dieser bescheidene Wohlstand war allerdings Anlass genug, gegen die Öschelbronner in der näheren und weiteren Umgebung Neider und Missgünstige auf den Plan zu rufen. Insbesondere auf dem Herrenberger Viehmarkt mussten sich die tüchtigen Rinderzüchter einige spitze Bemerkungen anhören, wenn sie wieder einmal die höchsten Erlöse erzielt hatten. Zwar wusste man seinerzeit noch nichts von Mastfutter, Hormonspritzen und dergleichen Teufelszeug, doch man konnte zu spät vorgerückter Stunde den immer lauter werdenden Stammtischgesprächen manche Vermutung über geheimnisvolle Mittelchen der Öschelbronner entnehmen.

An einem Markttagabend, es dürfte vor etwa 100 Jahren gewesen sein, passierte dieses: Ein als „net ganz bache“ bekanntes Bäuerle vom Schönbuchrand, das zudem einen über den Durst getrunken