Sport Lokal vom 14.03.2017

Böblingen: Kletterer Stefan Glowacz berichtet zum Finale der Outdoor-Messe von schmerzhaften Touren auf Baffin Island (Kanada) und in der Höhle Madschlis al-Dschinn im Oman

Die Leiden eines großen Abenteurers

  • Die Leiden eines großen Abenteurers

Stefan Glowacz ist Unternehmer und Abenteurer. Seine Spielwiesen sind steinig, steil und auf dem ganzen Globus verteilt. Bevor der 51-Jährige das Kapitel Abenteuer aufschlug, war er einer der besten Wettkampfkletterer der Welt. Um Abenteurer zu werden, findet er, brauche es das Können des professionellen Wettkämpfers, Neugier und ein hohes Maß an Leidensbereitschaft.

Da war für ihn der Auftritt in der Böblinger Kongresshalle zum Abschluss der Outdoor-Messe von SZ/BZ, Abenteuer Alpen und CCBS ein kleiner Sonntagsspaziergang, angefangen vom Gespräch mit Verlagsleiter und Chefredakteur Hans-Jörg Zürn bis hin zu seinem über zweistündigen Vortrag vor 350 begeisterten Zuhörern.

„Angst“, sagt Stefan Glowacz auf die Nachfrage von Hans-Jörg Zürn, „ist die natürliche Lebensversicherung für Abenteurer.“ Als Wettkampfkletterer Ende der 80er bis Mitte der 90er Jahre habe er immer geglaubt, ihm könne nichts passieren. Ein Sturz aus zehn Metern Höhe und etliche gebrochene Knochen lehren ihn eines Besseren.

Seither gehe es ihm darum, das Risiko beherrschbar zu machen: „Da musst du in der Planung wie ein Schachspieler zwei oder drei Züge vorausdenken.“ Kein Mittel hat er dagegen bisher gegen Schmerzen und Entbehrungen gefunden. Im Gegenteil. Diese scheint er geradezu zu suchen.

Seine Klettertour auf Baffin Island, der fünftgrößten Insel der Erde, nördlich vom kanadischen Festland, bezeichnet er als brutale Schinderei. Geplant waren zehn Tage Anmarsch durch Eis und Schnee, zehn Klettertage und zehn Tage Rückmarsch. Nach dem ersten Besuch in der unwirtlichen Gegend schwört er sich: „Ich mache nie mehr so einen Blödsinn.“

Ein paar Jahre später versucht er es ein zweites Mal. Statt einem Gewehr, um hungrige Eisbären abzuwehren, haben er und seine Begleiter einen Eisbärenwarnzaun dabei. Das Gepäck samt der Verpflegung für einen ziehen sie – über 100 Kilo pro Mann – auf eigens dafür konstruierten Karbonschlitten, die auch als Rikschas oder als Boote einsetzbar sind. Zum Warnzaun sagt er im Nachhinein: „Wir wären aufgewacht, bevor wir gefressen worden wären.“

Aus der Erstbesteigung einer 600 Meter hohen Wand wird nichts. Auf halber Höhe entdeckt das Trio die 15 Jahre alten Haken eines Vorgängers. Stefan Glowacz: „Es war dennoch eine grandiose


Von unserem Redakteur Karlheinz Reichert