Lokales vom 20.03.2017

Böblingen: Bauträger und Makler kritisieren bei der 19. SZ/BZ-Immobilienmesse mehr oder weniger offen die Grundstückspolitik der Städte und Gemeinden

„Das Geld sucht sich seinen Weg“

  • „Das Geld sucht sich seinen Weg“

„Die Nachfrage ist ungebrochen hoch“, war am Sonntagabend das gemeinsame Fazit der 50 Aussteller der 19. SZ/BZ-Immobilienmesse. Bei einem größeren Angebot ließe sich auch mehr verkaufen, forderte der eine oder andere Makler oder Bauträger die Kommunen auf, mehr Bauland auszuweisen.

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„Wir müssen immer die Frage im Blick behalten, wie stark die Stadt wachsen will“, sagte Böblingens Erster Bürgermeister Ulrich Schwarz bei der Eröffnung der Messe in der Kongresshalle. Zum einen gebe es zwar noch rund 15 Hektar Entwicklungsfläche, „aber die befindet sich keineswegs in unserem Besitz“. Entsprechend teuer könne es werden, hier bauen zu wollen. Zum anderen ist Ulrich Schwarz, der neben den Finanzen der Stadt auch den Bereich Soziales verantwortet, der Preis für Wohnraum sehr wichtig: „Wir brauchen auch bezahlbare Wohnungen und Häuser für Menschen, die nicht zu den Top-Verdienern gehören. Gerade in unserer Wachstumsregion benötigen wir diese auch dringend, denken wir nur etwa an den Bereich der Pflegekräfte.“

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Auch die SZ/BZ habe hier laut Verlagsleiter Hans-Jörg Zürn einen wichtigen Bereich ausgemacht, der die Menschen bewege: „Wir arbeiten das Thema derzeit mit unserer Serie zur Wohnungsnot redaktionell auf.“ Darüber hinaus biete der Verlag mit dem Internetportal ImmosBB.de im Netz Unterstützung bei der Suche nach Wohnraum ebenso wie mit dem großen Immobilienmarkt in Zeitung und Wochenblatt. „Wir sehen uns als Partner der Menschen und wollen Plattform sein für Angebot und Nachfrage. Ein zentrales Element sei dabei auch die Immo-Messe, die bereits zum 19. Mal stattfindet: „Sie ist unsere größte Veranstaltung dieser Art und sozusagen Keimzelle für alle anderen SZ/BZ-Messen.“

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„Das dünne Angebot macht uns allen zu schaffen“, sagte Thomas Schneider, Teamleiter Immobilien bei der Vereinigten Volksbank. Dennoch hätten seine Mitarbeiter viele konkrete Gespräche geführt, sowohl mit Eigennutzern als auch mit Kapitalanlegern. Die Wirtschaftskraft der Region Böblingen/Sindelfingen sieht er als wichtigsten Treiber des hiesigen Immobilienmarktes an: „Ich glaube, wir haben nach wie vor rosige Aussichten.“

Vor drei Jahren hoffte Schneider schon mal, die Preise hätten ihren Zenit erreicht. Heute sagt er: „Die Preise werden weiter steigen.“ Das liege auch daran, dass es für Kapitalanleger nicht viele Alternativen gibt: „Das Geld sucht sich seinen Weg.“

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„Wir haben eine tolle Messe und im Vergleich zu früher ein noch konkreteres Publikum“, stellte Peter Röhm, nebenamtliches Vorstandsmitglied der Baugenossenschaft Sindelfingen, fest. Besonders groß sei die Nachfrage für altersgerechtes Wohnen: „Wir hatten vier Interessenten, die ihre Immobilie verkaufen wollen und stadtnahe Wohnungen suchen.“

Der Trend gehe eindeutig in die Innenstadt. Peter Röhm: „Was mich als Sindelfinger besonders freut: Sindelfingen wird als vollwertige Stadt wahrgenommen. Sie wird von Leuten bevorzugt, die in einer überschaubaren Metropole leben und nicht in einem Moloch untergehen wollen.“

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Mit einem Acht-Familien-Haus in der Maichinger Landhaussiedlung und einem Elf-Familien-Haus am Sindelfinger Klostersee bot die Fundax-Immobilien GmbH (Sindelfingen) zwei besondere Objekte an. „Da ist jede Wohnung eine Villa für sich“, erläuterte dazu Michael Barth, geschäftsführender Gesellschafter der GmbH.

Das spiegelt sich auch in den Preisen wider. Die großen Wohnungen in dem Haus am Klostersee kosten jeweils über eine halbe Million Euro, in Maichingen zwischen 569 000 und 899 000 Euro. „Am Samstag haben wir dort eine Wohnung für 819 000 Euro reserviert“, meldete Barth einen geschäftlichen Erfolg. Er gehe davon aus, dass anspruchsvolles Wohnen gefragt bleibe: „Bei uns haben sich Interessenten mit guten Jobs und guten Bonitäten gemeldet, die zugezogen sind oder von außerhalb kommen und die in die Nähe der Stadtzentren ziehen wollen.“

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„Bei uns war die Frequenz hoch, wir hatten kaum eine Pause, um mal durchzuschnaufen“, fasste Jochen Widenmaier, Geschäftsführer der KWE Kommunale Wohnbau Ehningen GmbH, die beiden Messetage


Von unserem Redakteur Karlheinz Reichert