Lokales vom 12.08.2017

Das Porträt: Nach 36 Jahren als Kirchenpfleger in Böblingen ist Jürgen Kirchner nun im Ruhestand

Als junger Chef zwischen älteren Damen

  • Als junger Chef zwischen älteren Damen

Alle Menschen, die in und um Böblingen in der Kirche schaffen, kennen Jürgen Kirchner als Kirchenpfleger des Bezirks. Das war er auch 36 Jahre lang. Doch gelernt hat der in Westerheim im Alb-Donau-Kreis geborene Verwaltungswirt im Sindelfinger Rathaus.

Auch nach der Fachhochschule begann er als Diplom-Verwaltungswirt 1972 wieder dort, wurde 1977 Stadtinspektor im Bürgermeisteramt und wechselte ein Jahr später nach Winnenden, wo er sich als stellvertretender Hauptamtsleiter um Organisation und Öffentlichkeitsarbeit kümmerte. Am 1. Dezember 1981 wurde er zum Kirchenpfleger in Böblingen gewählt.

Was war anders? „Der Rechnungsstil, die Darstellungsart der Pläne. Die Kirche hatte noch keinen Vermögenshaushalt“, erinnert sich Kirchner. „Bei der Kirche war alles überschaubarer. Es waren halt andere Aufgaben als im kommunalen Bereich.“ Und die Datenverarbeitung begann gerade. „Ich kam als junger Chef in die Kirchenpflege und die älteren Damen beharrten auf ihrer Personalkartei. Das war anfangs schwierig.“ Mithilfe des Änderungsdienstes der Landeskirche führte Kirchner dann doch die EDV in Personalwesen und Haushaltspläne ein und schaffte so Kapazität für andere Aufgaben. „Heute ginge es gar nicht mehr anders.“

Die umfassendste Arbeit der ersten Zeit war die Renovierung der Stadtkirche 1983. „Die Kirchengemeinde strebte eine gründliche Sanierung an, während der Oberkirchenrat nur Schönheitsreparaturen bezahlen wollte“, sagt Kirchner. „Aber Zahlen sind Sache des Kirchenpflegers.“ Geplant waren 5000 Mark Spenden und Opfer der Gemeinde. „Ich war der Meinung, dass da deutlich mehr drin sein müsste, wenn man den Leuten vorhält, dass die Kirche ein geschichtlich bedeutendes Bauwerk und Wahrzeichen der Stadt ist. Da erinnerten sich viele, dass sie dort getauft und getraut wurden. Und dann ist das Geld geflossen.“

Es war auch nötig, um all die Änderungen zu verwirklichen, die Pfarrer Heiner Küenzlen und der Kirchengemeinderat sich wünschten: den Chorbogen erweitern, die Bänke raus, eine Fußbodenheizung und entsprechend einen neuen Fußboden und Stühle. „Der Oberkirchenrat war dagegen und lud das Landesdenkmalamt zum Ortstermin. Die Leute hielten es für möglich, doch der Finanzdezernent genehmigte den Umbau immer noch nicht, sondern nahm ihn nur zur Kenntnis. Das hieß, die Gemeinde erhielt nichts aus dem Ausgleichsstock, sondern musste über eine Million Mark selbst bezahlen“, erzählt Kirchner und fügt lächelnd an: „Nach ein paar Jahren waren wir schuldenfrei.“

Es folgte die Renovierung der Orgel, die fünfte Glocke, und nun wartete die Gemeinde auf die Genehmigung des Denkmalamtes für die Renovierung des Dachs. Ab und zu schrieb Kirchner darüber in der


Von unserer Mitarbeiterin Renate Lück